Ambiguitätsfehlschlüsse
Ambiguitätsfehlschlüsse entstehen durch Mehrdeutigkeiten oder Unklarheiten in der Sprache.
1. Äquivokation
Bei der Äquivokation wird ein Wort oder Begriff in verschiedenen Bedeutungen verwendet, als ob es sich um dieselbe Bedeutung handelte.
Beispiel:
- Die Äquivokation im Mittelbegriff eines Syllogismus
Im Englishen oder Französischen daselbe Wort für Mann und Mensch. Das gibt dann solche seltsamen Arguemnte.
Only man has rights. (man = humain)
Women are not men\ (men = male humain) Hence, women has no rights.
Da der Mittelbegriff ("man") hier äquivoke gebraucht wird, wird der Schluss inkorrekt, und seine Schlussfolgerung Unfug. (Der Schluss ist bloß ein Quaternio Terminorum / Non sequitur.)
Auf Französisch geht das genauso, weil "homme" sowohl "Mensch" als auch "Mann" bedeutet:
Seul l'homme a des droits. (homme = être humain)
Les femmes ne sont pas des hommes. (hommes = humains de sexe masculin)
Donc, les femmes n'ont pas de droits.
Warum ist das fehlerhaft? Das Wort "Mensch" wird zunächst im Sinne von "menschliches Wesen" verwendet, dann wird implizit auf "männliches menschliches Wesen" umgeschaltet.
2. Amphibolie
Amphibolie entsteht durch grammatikalische Mehrdeutigkeit, die zu unterschiedlichen Interpretationen führen kann.
Beispiele:
- Das Orakel von Delphi (klassisch)
Wenn du den Fluss Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.
Unklar ist, welches Reich: das des Feindes oder das eigene. Krösus las es als Kriegsversprechen, überschritt den Fluss und zerstörte sein eigenes Reich. Das ist das Lehrbuch-Beispiel der Amphibolie aus der Antike und zeigt zugleich, wie die Mehrdeutigkeit argumentativ ausgenutzt werden kann.
- Präpositional-Anbindung („mit dem …“)
"Die Polizei verfolgte den Dieb mit dem Motorrad."
Lesart A: Die Polizei benutzte das Motorrad.
Lesart B: Der Dieb war auf dem Motorrad.
Die Mehrdeutigkeit entsteht rein durch die Stellung der Präpositionalphrase, nicht durch ein doppeldeutiges Wort. (Variante: „Er beobachtete die Frau mit dem Fernglas.“)
- Genitiv: Subjekt oder Objekt?
Die Furcht der Feinde war groß.
Lesart A: Die Feinde hatten Furcht (Genitivus subjectivus).
Lesart B: Man fürchtete sich vor den Feinden (Genitivus objectivus).
Derselbe Bau erzeugt bei „die Liebe Gottes“ oder „die Kritik der Studenten“ dieselbe Ambiguität: Wer kritisiert wen?
3. Akzentuierung
Dieser Fehlschluss entsteht durch falsche Betonung oder Hervorhebung, die den Sinn einer Aussage verändert.
Beispiel: "Wir sollten nicht schlecht über unsere Kollegen sprechen." (Je nachdem, welches Wort betont wird, ändert sich die Bedeutung.)
4. Komposition
Beim Kompositionsfehlschluss wird fälschlicherweise angenommen, dass eine Eigenschaft der Teile auch eine Eigenschaft des Ganzen sein muss.
Beispiel: "Jedes Teil dieses Computers ist leicht. Also ist der Computer leicht."
Warum ist das fehlerhaft? Die Eigenschaft "leicht" der einzelnen Teile überträgt sich nicht notwendigerweise auf das Ganze.
Beispiel Gehirn "Die Neuronen sind mit blossem Auge nicht sichtbar, also ist das Gehirn mit blossem Auge nicht sichtbar."
5. Division
Der Divisionsfehlschluss ist das Gegenteil des Kompositionsfehlschlusses: Es wird fälschlicherweise angenommen, dass eine Eigenschaft des Ganzen auch eine Eigenschaft jedes Teils sein muss.
Beispiel: "Deutschland ist ein reiches Land. Also ist jeder Deutsche reich."
Warum ist das fehlerhaft? Die Eigenschaft "reich" des Landes als Ganzes überträgt sich nicht notwendigerweise auf jeden einzelnen Bürger.
Beispiel Gehirn "Das Gehirn kann denken, also können die Neuronen denken."