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This page was translated from the German original, partly by machine. Some passages may read awkwardly or contain inaccuracies. When in doubt, please read the original.

Das Sprachspiel des Behauptens

Lebensweltliche Beispiele

Im Alltag begegnen uns Behauptungen auf Schritt und Tritt:

  • "Es wird morgen regnen", (ich kenne die Zukunft)
  • "Dieses Restaurant hat die beste Pizza der Stadt", (ich kenne alle Pizzen)
  • "Die Inflation wird nächstes Jahr sinken", (ich kenne die Zukunft der Börse)
  • "Cannabis ist gefährlicher als Alkohol", (ich bin Drogenkenner)
  • "Menschen sind von Natur aus egoistisch." (ich bin Hobby-Anthropologe und Soziologe)

Wissenschaftliche Thesen, journalistische Aussagen, politische Versprechen und alltägliche Meinungsäußerungen, sie alle operieren im Rahmen des Sprachspiels des Behauptens.

Worauf es abzielt

Wer behauptet, will einen Sachverhalt als wahr oder zutreffend darstellen. Das Behaupten ist also ein sprachlicher Akt, mit dem wir uns auf die Welt beziehen, Wissen vermitteln und andere Menschen beeinflussen — nicht selten behaupten wir dabei gerade das, was unserem Eigeninteresse dient.

Im Gegensatz zum Fragen oder Befehlen erheben Behauptungen einen Wahrheitsanspruch: Sie geben vor, dass es sich tatsächlich so verhält, wie behauptet wird. Das Ziel kann dabei variieren — von der reinen Informationsweitergabe über die Überzeugung anderer bis hin zur Selbstvergewisserung.

Erfolgskriterien

Ob eine Behauptung "erfolgreich" ist, lässt sich auf drei verschiedenen Ebenen beurteilen, die man auseinanderhalten sollte:

1. Gelingt der sprachliche Akt? (Wird überhaupt eine ernstgemeinte Behauptung aufgestellt?)

  • Der Sprecher meint, was er sagt, und glaubt selbst, dass es zutrifft.
  • Er kann auf Nachfrage Gründe oder Belege nennen.
  • Der Empfänger versteht, dass hier etwas behauptet — und nicht etwa gefragt, gescherzt oder befohlen — wird.

2. Trifft die Behauptung zu? (Eine eigene Frage — eine Behauptung bleibt eine Behauptung, auch wenn sie falsch ist.)

  • Das Behauptete entspricht den Tatsachen, oder es ist zumindest gut begründet.

3. Erzielt sie die beabsichtigte Wirkung? (Was beim Empfänger ankommt, liegt nicht mehr in der Hand des Sprechers.)

  • Der Empfänger hält die Behauptung für glaubwürdig.
  • Sie bewirkt, was beabsichtigt war (etwa Information oder Überzeugung).

Diese drei Ebenen fallen oft auseinander: Eine Behauptung kann gelingen und trotzdem falsch sein; sie kann wahr sein und dennoch niemanden überzeugen. Wer kritisch denkt, fragt deshalb getrennt:

    1. Ist es ernst gemeint?
    1. Stimmt es?
    1. Und warum wirkt es?

Welche Maßstäbe dabei gelten, hängt stark vom Kontext ab: In wissenschaftlichen Diskursen wird strenger geprüft als im Alltag. Was im Freundeskreis durchgeht ("Das ist der beste Film aller Zeiten"), würde in einer akademischen Arbeit beanstandet.

Wie es schiefgehen kann

Eine Behauptung kann auf zwei grundverschiedene Weisen misslingen — und beide haben nichts damit zu tun, ob das Behauptete wahr ist. (Eine falsche Behauptung ist immer noch eine Behauptung; ihre Falschheit ist ein eigenes Thema.)

Der Akt kommt gar nicht richtig zustande, wenn:

  • die Behauptung zu vage oder mehrdeutig ist, sodass unklar bleibt, was eigentlich behauptet wird.
  • der Empfänger nicht erkennt, dass überhaupt etwas behauptet wird (etwa weil es als Scherz oder Frage missverstanden wird).
  • der soziale Kontext die Behauptung als unangebracht erscheinen lässt und sie deshalb nicht ernst genommen wird.

Der Akt gelingt zwar, ist aber unaufrichtig, wenn:

  • der Behauptende selbst nicht glaubt, was er sagt (im Extremfall: die Lüge).
  • er keinerlei Gründe oder Belege für seine Behauptung hat und auch keine nennen könnte.

Davon zu unterscheiden ist die Glaubwürdigkeit: Wer als Sprecher kein Vertrauen oder keine Sachkenntnis genießt, dessen Behauptung gelingt durchaus — sie wird nur eher nicht geglaubt. Besonders heikel sind schließlich Behauptungen, die auf falschen Prämissen beruhen oder sich gar nicht überprüfen lassen.

Wie es missbraucht wird

Missbrauch lässt sich genau in den oben eingeführten Begriffen fassen: Die Form der Behauptung wird benutzt, aber die Aufrichtigkeits- und Begründungspflicht wird gezielt verletzt. Das zeigt sich auf zwei Ebenen.

Verzerrung des Wahrheitsgehalts:

  • Bewusste Lügen und erfundene Tatsachen
  • Halbwahrheiten, die wichtige Fakten auslassen
  • Behauptungen, die als Fakten präsentiert werden, obwohl sie nur Meinungen sind

Strategische Diskurstaktiken:

  • Das Streuen von Gerüchten oder Verschwörungstheorien
  • Das Kontern von Kritik mit einem Gegenvorwurf, statt sie zu beantworten ("Whataboutism")
  • Die Überflutung mit so vielen Behauptungen, dass eine sorgfältige Prüfung unmöglich wird ("Firehose of Falsehood")

In der Politik und Werbung werden Behauptungen oft strategisch eingesetzt, um bestimmte Wirkungen zu erzielen, ungeachtet ihres Wahrheitsgehalts.

Soziale Rolle

Das Behaupten erfüllt wesentliche soziale Funktionen:

  • Es ermöglicht Wissensaustausch und kollektives Lernen
  • Es dient der sozialen Positionierung und Identitätsbildung ("Als Wissenschaftlerin behaupte ich...")
  • Es strukturiert Diskurse und ermöglicht rational geführte Debatten
  • Es schafft gemeinsame Wirklichkeiten und einen geteilten Verständnishorizont
  • Es ist grundlegend für wissenschaftliche, juristische und politische Prozesse

In modernen demokratischen Gesellschaften ist die Fähigkeit, Behauptungen kritisch zu prüfen und fundierte eigene Behauptungen aufzustellen, eine zentrale Kompetenz mündiger Bürger. Gleichzeitig ist die soziale Verhandlung darüber, welche Behauptungen als glaubwürdig gelten und wer überhaupt "behaupten darf", ein Feld ständiger gesellschaftlicher Auseinandersetzung.

Literatur

Die Analyse von Sprechakten im allgemeinen und des Behauptens als sprachlicher Akt, im besonderen, wind unter anderem, in diesen einschlägigen Werken behandelt :

  • Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen (1953) / engl. Philosophical Investigations. — Prägt den Begriff des Sprachspiels: Die Bedeutung eines Ausdrucks liegt in seinem Gebrauch, nicht in einer abstrakten Definition.
  • J. L. Austin, Zur Theorie der Sprechakte (Reclam, 1972) / engl. How to Do Things with Words (1962). — Begründet die Sprechakttheorie und unterscheidet lokutionären, illokutionären und perlokutionären Akt sowie die Gelingensbedingungen (misfires vs. abuses).
  • John R. Searle, Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay (Suhrkamp, 1971) / engl. Speech Acts (1969). — Systematisiert die Gelingensbedingungen des Behauptens (Einleitungs-, Aufrichtigkeits-, wesentliche Bedingung) und die Ausrichtung von Wort und Welt.
  • Robert B. Brandom, Expressive Vernunft (Suhrkamp, 2000) / engl. Making It Explicit (1994). — Versteht das Behaupten als Zug im „Spiel des Gebens und Verlangens von Gründen": Wer behauptet, geht eine begründungspflichtige Festlegung ein.