Faktencheck und Verifikationswerkzeuge
Man muss nicht alles selbst prüfen; oft haben Profis das schon getan. Und für die Fälle, die man selbst in die Hand nimmt, gibt es gute, kostenlose Werkzeuge.
Seriöse Faktencheck-Angebote
Im deutschsprachigen Raum prüfen unter anderem:
- CORRECTIV.Faktencheck: gemeinnütziges Recherchezentrum (correctiv.org/faktencheck)
- ARD-Faktenfinder (Tagesschau): öffentlich-rechtlicher Rundfunk (tagesschau.de/faktenfinder)
- dpa-Faktencheck: Deutsche Presse-Agentur
- #Faktenfuchs (Bayerischer Rundfunk)
- Mimikama: gegen Internetmissbrauch und Hoaxes (mimikama.org)
International bekannt sind Snopes, PolitiFact und Full Fact sowie der AFP Fact Check der Nachrichtenagentur Agence France-Presse.
Auch Faktenchecker prüft man lateral. Verlässlichkeit erkennt man an Transparenz: Werden Quellen offengelegt? Gibt es eine sichtbare Korrektur-Praxis? Ist die Finanzierung erkennbar?
Das IFCN-Gütesiegel
Ein gutes Orientierungszeichen ist die Mitgliedschaft im International Fact-Checking Network (IFCN) am Poynter Institute. Wer dessen Code of Principles (eingeführt 2016) unterzeichnet, verpflichtet sich auf fünf Prinzipien, deren Einhaltung von unabhängigen Prüfern kontrolliert wird (ifcncodeofprinciples.poynter.org):
- Überparteilichkeit und Fairness: gleicher Maßstab für alle.
- Quellentransparenz: Belege offenlegen, damit Leser nachprüfen können.
- Transparenz von Finanzierung und Organisation.
- Methodentransparenz: offenlegen, wie geprüft wird.
- Offene, ehrliche Korrekturen.
Diese fünf Prinzipien sind übrigens ein guter Maßstab für jede Quelle, nicht nur für Faktenchecker.
Ein Prüf-Flowchart
Wer selbst strukturiert vorgehen will, kann sich am EUfactcheck-Flowchart orientieren, einem Lehrwerkzeug für Journalismus-Studierende. Es gliedert die Prüfung in drei Schritte (eufactcheck.eu):
- Behauptung analysieren: Was genau wird behauptet? Welcher Teil ist überhaupt eine überprüfbare Tatsache?
- Autor/Quelle analysieren: Wer behauptet es? Mit welcher Glaubwürdigkeit, Expertise und welchem möglichen Motiv?
- Faktencheck: Belege recherchieren und die Richtigkeit bestimmen.
Das ist im Kern dieselbe Logik wie SIFT, nur ausführlicher.
Werkzeuge zur Bild- und Videoprüfung
Bilder und Videos sind die häufigsten Träger von Desinformation, weil sie so überzeugend wirken. Diese Werkzeuge helfen:
- Bilder-Rückwärtssuche: wo taucht ein Bild sonst noch auf, und wie alt ist es?
- Google Bilder / Lens, TinEye, Yandex Images (oft am stärksten).
- InVID / WeVerify: ein kostenloses Browser-Plugin, das viele Verifikationswerkzeuge bündelt: Einzelbilder aus Videos extrahieren, Rückwärtssuche, Metadaten ansehen, Bildausschnitte vergrößern (invid-project.eu).
- Geolokalisierung: mit Google Maps / Street View lässt sich anhand von Gebäuden, Schildern oder Landschaft prüfen, ob ein Bild wirklich am behaupteten Ort entstand.
- EXIF-Daten: Bilddateien enthalten manchmal Metadaten (Aufnahmezeit, Gerät, GPS). Auslesbar mit Tools wie Pic2Map. Vorsicht: Soziale Netzwerke entfernen diese Daten beim Hochladen meist.
Eine praxisnahe deutschsprachige Anleitung zur Geolokalisierung bietet CORRECTIV/GADMO: Geolocation: 5 Tipps, um den Aufnahmeort eines Bilds zu finden.
Prüfkompetenz üben
Wer das laterale Lesen mit echten Beispielen trainieren möchte, findet beim kanadischen Programm Ctrl-F (CIVIX) kostenlose Übungen und Videos auf Englisch und Französisch (ctrl-f.ca). Eine Studie mit über 2.300 Schülern zeigte, dass der Anteil derer, die lateral lasen, durch das Programm von 11 % auf 59 % stieg: Prüfkompetenz ist also wirklich trainierbar.
Selbst prüfen oder seriöse Faktenchecker nutzen, beides ist gut. Für Bilder gilt: Rückwärtssuche zuerst. Sie entlarvt die meisten „aus dem Kontext gerissenen“ Fälschungen in Sekunden.