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Was ist Medienkompetenz?

Medienkompetenz ist mehr als "mit Geräten umgehen können". Sie umfasst vier Fähigkeiten, die zusammenspielen:

  1. Zugang: Medien und Informationen finden und technisch nutzen können.
  2. Analyse & Bewertung: Inhalte verstehen, einordnen und kritisch beurteilen. Wer sagt das? Mit welcher Absicht? Wie gut belegt?
  3. Reflexion: die Rolle der Medien in Gesellschaft und im eigenen Leben durchschauen (Geschäftsmodelle, Algorithmen, Wirkung auf Meinung und Gefühle).
  4. Produktion & Teilhabe: selbst verantwortungsvoll kommunizieren, also auch wissen, was man teilt und welche Folgen das hat.

Quellenkritik ist der Kern von Punkt 2, aber sie wirkt nur, wenn die anderen drei dazukommen.

Informationskompetenz

Eng verwandt ist die Informationskompetenz: die Fähigkeit, einen Informationsbedarf zu erkennen, gezielt zu recherchieren, das Gefundene zu bewerten und korrekt (mit Quellenangabe) weiterzuverwenden. Klassisch kommt sie aus der Bibliothekswelt und der Wissenschaft; heute brauchen sie alle.

MIL: Medien- und Informationskompetenz

Die UNESCO fasst beides unter einem Dach zusammen: MIL, Media and Information Literacy (Medien- und Informationskompetenz). Das Konzept wird unter anderem von UNESCO, Europäischer Kommission und Europarat verwendet, um zu betonen, dass Medien- und Informationsfähigkeiten zusammengehören.

Die UNESCO beschreibt MIL als Bündel von Kompetenzen, das den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnet:

"Media and Information Literacy provides a set of essential skills to address the challenges of the 21st century including the proliferation of mis- and disinformation and hate speech, the decline of trust in media and digital innovations notably Artificial Intelligence."

— UNESCO, Media and Information Literacy (unesco.org)

Auf Deutsch sinngemäß: MIL liefert die grundlegenden Fähigkeiten, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen: der Ausbreitung von Fehl- und Desinformation und Hassrede, dem schwindenden Vertrauen in Medien und neuen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz.

Kurz

MIL verbindet Medienkompetenz und Informationskompetenz: Inhalte finden, kritisch bewerten, verantwortungsvoll nutzen und erstellen.

Warum gerade jetzt?

Drei Entwicklungen machen MIL heute besonders dringlich:

  • Jeder ist Sender. Früher entschieden Verlage und Medien, was veröffentlicht wurde. Heute kann jeder publizieren, ohne Redaktion, ohne Faktencheck.
  • Maschinen schreiben mit. Künstliche Intelligenz erzeugt Texte, Bilder, Stimmen und Videos, die echt wirken. Die alte Faustregel "Bilder lügen nicht" gilt nicht mehr.
  • Aufmerksamkeit ist Geld. Plattformen verdienen an unserer Verweildauer. Inhalte, die uns lange fesseln, werden bevorzugt, nicht unbedingt die wahren (mehr dazu im Kapitel über Algorithmen).

Medienkompetenz ist damit keine Spezialdisziplin für Journalisten mehr, sondern eine Alltagskompetenz wie Lesen und Rechnen.