Übung: Quellen prüfen in der Praxis
Quellenkritik lernt man nur durch Tun. Arbeiten Sie die folgenden Aufgaben durch und vergleichen Sie erst danach mit den Lösungen.
Teil A: Welcher Schritt der SIFT-Methode?
Ordnen Sie jeder Handlung den passenden SIFT-Schritt zu (Stopp, I Quelle untersuchen, F bessere Belege finden, T zum Original zurückverfolgen).
- Sie öffnen einen neuen Tab und suchen den Namen der Webseite zusammen mit „Kritik“.
- Ein Beitrag macht Sie wütend, und Sie atmen erst einmal durch, statt sofort zu teilen.
- Sie suchen, ob seriöse Zeitungen dieselbe Meldung bringen.
- Sie klicken auf „eine Studie zeigt …“ und suchen die Studie selbst.
Teil B: Warnsignale erkennen
Welche Warnsignale fallen Ihnen bei dieser Fundstelle auf?
Auf der Seite „aktuelle-gesundheits-news24.info“ steht ohne Autorennamen: „SENSATION: Ärzte HASSEN diesen einfachen Trick! Die Pharmaindustrie will nicht, dass Sie das erfahren.“ Datum: keines. Quellenangaben: keine. Am Seitenende viele Buttons zum Kauf eines Nahrungsergänzungsmittels.
Teil C: SIFT anwenden
Sie sehen ein dramatisches Foto von einer Überschwemmung mit der Bildunterschrift „Hochwasser HEUTE in unserer Stadt!“. Beschreiben Sie in drei, vier Sätzen, wie Sie mit SIFT vorgehen.
Teil D: Einordnen
Klassifizieren Sie als Fehlinformation, Desinformation oder Malinformation:
- Ein Nutzer teilt arglos eine alte Falschmeldung, die er für aktuell hält.
- Eine Kampagne erfindet bewusst eine Geschichte, um eine Politikerin zu schädigen.
- Jemand veröffentlicht echte, aber private Chatnachrichten, um einer Person zu schaden.
Lösungen
Teil A
- I, Investigate the source. Den Ruf der Quelle über andere Quellen prüfen ist laterales Lesen.
- S, Stop. Innehalten statt reflexhaft reagieren.
- F, Find better coverage. Nach unabhängiger Bestätigung suchen.
- T, Trace. Die Behauptung zur Originalquelle zurückverfolgen.
Teil B
Warnsignale:
- Kein Autor, kein Impressum: Verantwortung wird verschleiert.
- Reißerische Sprache in Großbuchstaben („SENSATION“, „HASSEN“): appelliert an Emotion statt an Verstand.
- Verschwörungston („die Pharmaindustrie will nicht …“): immunisiert gegen Gegenargumente.
- Kein Datum: Aktualität nicht prüfbar.
- Keine Quellenangaben: Behauptung ohne Beleg.
- Verkaufsabsicht am Seitenende: die Nutzenfrage Cui bono ist sofort beantwortet: Hier soll etwas verkauft werden.
Fazit: praktisch jedes Kriterium aus dem Kapitel Quellen bewerten schlägt Alarm.
Teil C
Ein guter Weg:
- Stopp: Nicht sofort teilen, obwohl es dramatisch ist.
- Investigate: Wer hat das gepostet, ein lokales Medium oder ein anonymes Konto?
- Find: Berichten lokale Zeitungen, Behörden oder der Rundfunk über ein Hochwasser heute hier? Wenn nicht, ist Skepsis angebracht.
- Trace: Rückwärts-Bildersuche: Stammt das Foto vielleicht von einem anderen Ort oder von vor Jahren? (Sehr häufig bei Katastrophenbildern.)
Teil D
- Fehlinformation: falsch, aber ohne Schädigungsabsicht (arglos geteilt).
- Desinformation: falsch und mit Absicht zu schaden.
- Malinformation: wahr, aber gezielt zur Schädigung eingesetzt.
Wenn Sie bei Teil C automatisch an die Rückwärts-Bildersuche gedacht haben, sind Sie schon auf dem Niveau geübter Faktenprüfer. Genau dieser Reflex, zum Original zurück, unterscheidet sie von Laien.