Was ist ein Argument?
Ein Argument ist mehr als eine bloße Behauptung. Es besteht aus einer Behauptung und den Gründen, die sie stützen sollen. Wer argumentiert, behauptet also nicht nur etwas, sondern liefert auch Gründe dafür.
Aufbau: Prämissen und Konklusion
Ein Argument hat zwei Bausteine:
- Prämissen: die Aussagen (Gründe, Belege, Annahmen), die wir anführen, um unsere Behauptung zu stützen. Die Gesprächspartner sollten die Prämissen für wahr halten; jeder Grund kann aber auch akzeptiert oder zurückgewiesen werden.
- Konklusion: die Behauptung, die wir zu stützen versuchen, die wir für wahr halten und die im Prinzip strittig ist.
- Alle Menschen sind sterblich. (Prämisse 1)
- Sokrates ist ein Mensch. (Prämisse 2)
- Also ist Sokrates sterblich. (Konklusion)
Prämissen und Konklusion erkennen
In natürlicher Sprache verraten sich die Bausteine oft durch Signalwörter:
- Eine Konklusion wird häufig eingeleitet durch: also, daher, deshalb, folglich, somit.
- Eine Prämisse wird häufig eingeleitet durch: weil, da, denn, aufgrund, schließlich.
Diese Wörter sind nützliche Wegweiser, fehlen aber manchmal ganz. Dann müssen wir selbst erschließen, welche Aussage gestützt werden soll (Konklusion) und welche sie stützt (Prämisse).
Zentrale Begriffe
Für die folgenden Kapitel ist ein gemeinsames Vokabular nützlich:
- Argument: eine Verbindung aus Prämissen und einer Konklusion, bei der die Prämissen die Konklusion stützen sollen.
- Prämisse: eine stützende Aussage (ein Grund) eines Arguments.
- Konklusion: die Aussage, die durch die Prämissen gestützt werden soll.
- Gültigkeit: ein Argument ist gültig, wenn die Konklusion aus den Prämissen folgt — wenn die Prämissen wahr sind, muss auch die Konklusion wahr sein. Gültigkeit betrifft nur die Form, nicht den Wahrheitsgehalt der Prämissen.
- Stichhaltigkeit (engl. soundness): ein Argument ist stichhaltig, wenn es gültig ist und seine Prämissen tatsächlich wahr sind. Nur stichhaltige Argumente liefern uns wirklich gute Gründe.
Gültig = die Konklusion folgt aus den Prämissen. Stichhaltig = gültig und die Prämissen sind wahr.
Das Toulmin-Schema: eine universelle Form, Argumente zu beschreiben
Der britische Philosoph Stephen Toulmin entwickelte ein Modell, das den inneren Bau eines Arguments sichtbar macht. Im Zentrum steht die Behauptung/Schlussfolgerung (Claim), die strittige Aussage, die wir stützen wollen. Sie ruht auf den Daten, Tatsachen (Data), den unbestrittenen Belegen. Die Brücke zwischen Daten und Behauptung bildet die Schlussregel (Warrant): eine meist unausgesprochene Regel, die erklärt, warum die Daten die Behauptung tragen. Die Schlussregel selbst stützt sich auf die Grundsätze (Backing), also auf Erfahrungswissen, Gesetze oder Theorien. Die Einschränkung (Qualifier) gibt an, wie sicher die Behauptung gilt ("vermutlich", "in der Regel"). Schließlich nennt die Ausnahme, Gegenrede (Rebuttal) Bedingungen, unter denen das Argument nicht greift. So macht das Schema verborgene Annahmen und Schwachstellen einer Argumentation explizit.
Hier ist eine Grafik, die das veranschaulicht:
Hier ist ein Beispiel aus der englischen Wikipedia. Es benutzt die Originaltermini wie Fact, Conclusion, Warrant, Backing, Rebuttal:
Unser Syllogismus vom Anfang würde hier so aussehen:
Wie man dieses Schema nutzt, um ein konkretes Argument zu zerlegen, sehen wir im Teil Argumente analysieren.

