Accident (A dicto simpliciter)
Eine allgemeine Regel wird starr auf einen Ausnahmefall angewandt, für den sie nicht gilt.
Die Regel kennt Ausnahmen — das Argument nicht.
Definition
Beim Accident-Fehlschluss (lat. a dicto simpliciter ad dictum secundum quid — „vom einfach Gesagten zum unter Umständen Gesagten“) wird eine allgemeine Regel, die im Normalfall gilt, auf einen Sonderfall übertragen, auf den sie gerade nicht passt.
Der Fehler: Allgemeine Regeln gelten „grundsätzlich“ und kennen begründete Ausnahmen. Wer den Ausnahmecharakter eines Falls übergeht, zieht aus einer richtigen Regel einen falschen Schluss.
Der Fehlschluss hat die folgende Form:
- Die Regel R gilt allgemein.
- Der Fall F ist eine Ausnahme von R.
- R wird dennoch auf F angewandt.
EN: fallacy of accident / a dicto simpliciter
Verwandtschaft
- Missbrauch eines Prinzips — sehr eng verwandt: starre Anwendung einer Regel ausserhalb ihres Geltungsbereichs.
- Hastige Verallgemeinerung — das Gegenstück (converse accident): aus einem Sonderfall wird eine allgemeine Regel.
- Kein wahrer Schotte — verwandtes Spiel mit Regeln und Ausnahmen.
Beispiele
Beispiel 1
„Mit einem Messer auf jemanden einzuschneiden ist Körperverletzung. Ein Chirurg schneidet mit dem Skalpell. Also begeht der Chirurg Körperverletzung.“
Die Regel gilt für gewöhnliche Fälle, nicht für die heilende Operation mit Einwilligung. Der Ausnahmecharakter wird übergangen.
Beispiel 2
„Man soll die Wahrheit sagen. Also musst du dem wütenden Verfolger verraten, wo sich sein Opfer versteckt.“
Die Regel „die Wahrheit sagen“ deckt diesen Notfall nicht ab. Ihre starre Anwendung führt ins Verwerfliche.