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Genetischer Fehlschluss

Kurz

Eine Behauptung oder Sache wird allein nach ihrer Herkunft bewertet statt nach ihrem Inhalt.

Woher etwas kommt, sagt nichts darüber, ob es stimmt.

Definition

Der genetische Fehlschluss (genetic fallacy) bewertet eine Behauptung, Idee oder Sache anhand ihres Ursprungs — wer sie erfunden hat, woher sie stammt, wie sie entstanden ist — statt anhand ihres tatsächlichen Gehalts.

Der Fehler: Die Herkunft einer Idee ist für ihre Richtigkeit oder ihren Wert unerheblich. Auch eine Idee mit fragwürdigem Ursprung kann zutreffen, eine mit ehrwürdigem Ursprung kann falsch sein.

Der Fehlschluss hat die folgende Form:

  1. B stammt aus der Quelle Q.
  2. Q ist (un)angesehen.
  3. Also ist B falsch (bzw. wahr).

EN: genetic fallacy

Verwandtschaft

  • Argumentum ad Hominem — Sonderform: die Quelle ist eine Person.
  • Brunnenvergiftung — Sonderform: vorab diskreditierende Herkunftszuschreibung.
  • Argumentum ad Antiquitatem — die positive Variante: Herkunft aus der Tradition als vermeintlicher Vorzug.

Beispiele

Beispiel 1

„Die Autobahn wurde unter den Nationalsozialisten ausgebaut — wie kannst du Autobahnen gut finden?“

Der historische Ursprung entscheidet nicht über den heutigen Nutzen oder Unnutzen von Autobahnen. Herkunft ist kein Sachargument.

Beispiel 2

„Diese Idee kam ihm im Traum — sie kann also nicht ernst zu nehmen sein.“

Wie eine Idee entstanden ist, sagt nichts über ihre Richtigkeit. Auch eine Eingebung kann sich als zutreffend erweisen.

Quellen