Persönliche Skepsis
„Ich kann mir das nicht vorstellen, also ist es nicht wahr.“
Die Grenzen der eigenen Vorstellung sind nicht die Grenzen der Wirklichkeit.
Definition
Beim Argument aus persönlicher Skepsis (argument from incredulity) wird aus dem Umstand, dass jemand sich etwas nicht vorstellen oder nicht verstehen kann, geschlossen, dass es nicht wahr sein könne (oder umgekehrt: weil keine andere Erklärung einfällt, müsse die naheliegende stimmen).
Der Fehler: Was eine Person für unvorstellbar hält, hängt von ihrem Wissen und ihrer Fantasie ab — nicht von der Wirklichkeit. Vieles Wahre ist kontraintuitiv. Unvorstellbarkeit ist kein Gegenbeweis.
Der Fehlschluss hat die folgende Form:
- Ich kann mir B nicht vorstellen / nicht erklären.
- Also ist B falsch (bzw.: also muss die mir naheliegende Alternative wahr sein).
EN: argument from incredulity / personal incredulity
Verwandtschaft
- Argumentum ad Ignorantiam — verwandt: aus Nichtwissen wird ein Schluss gezogen.
- Gott-der-Lücken-Argument — Sonderform: die Erklärungslücke wird mit dem Übernatürlichen gefüllt.
- Wunschdenken — verwandt, wenn die Skepsis dem dient, was man nicht glauben will.
Beispiele
Beispiel 1
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass aus einfachen Zellen so komplexe Lebewesen entstehen — also kann die Evolution nicht stimmen.“
Die Schwierigkeit, sich einen Vorgang vorzustellen, sagt nichts darüber, ob er stattgefunden hat.
Beispiel 2
„So riesige Steinblöcke konnten Menschen unmöglich allein bewegen — das müssen Ausserirdische gebaut haben.“
Aus dem eigenen Unvermögen, sich die Technik vorzustellen, folgt keine ausserirdische Erklärung.