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Gott-der-Lücken-Argument

Kurz

Was die Wissenschaft (noch) nicht erklärt, wird kurzerhand einer übernatürlichen Ursache zugeschrieben.

Wo das Wissen endet, beginnt die Behauptung.

Definition

Das Gott-der-Lücken-Argument (god of the gaps) füllt eine Erklärungslücke des aktuellen Wissens mit einer übernatürlichen Ursache: Weil etwas (noch) nicht erklärt ist, wird ein Eingreifen Gottes (oder einer anderen letzten Instanz) als Erklärung angenommen.

Der Fehler: Eine Wissenslücke ist kein Beleg für eine bestimmte Erklärung. „Wir wissen es noch nicht“ ist nicht dasselbe wie „es muss übernatürlich sein“. Solche Lücken sind historisch immer wieder durch natürliche Erklärungen geschlossen worden.

Der Fehlschluss hat die folgende Form:

  1. Das Phänomen P ist (derzeit) nicht erklärt.
  2. Mir fällt keine natürliche Erklärung ein.
  3. Also ist die Ursache von P übernatürlich.

EN: god of the gaps / divine fallacy

Verwandtschaft

  • Persönliche Skepsis — die Wurzel: aus „ich kann es mir nicht erklären“ wird ein Schluss.
  • Argumentum ad Ignorantiam — Oberbegriff: aus Nichtwissen wird auf eine bestimmte These geschlossen.
  • Falsches Dilemma — verwandt: so getan, als gäbe es nur „erklärt“ oder „übernatürlich“.

Beispiele

Beispiel 1

„Die Wissenschaft kann nicht erklären, wie das Leben genau entstand — also muss Gott es geschaffen haben.“

Eine offene Forschungsfrage ist kein Beleg für eine bestimmte Antwort. Die Lücke wird vorschnell gefüllt.

Beispiel 2

„Niemand weiss, warum die Naturkonstanten genau diese Werte haben — das kann nur Absicht sein.“

Aus dem fehlenden Wissen über die Ursache folgt keine planende Instanz.

Quellen