Fehlerhafte Analogie
Aus einer Ähnlichkeit in einem Punkt wird auf Übereinstimmung in einem ganz anderen geschlossen.
Ähnlich ist nicht gleich.
Definition
Bei der fehlerhaften Analogie (false analogy) wird aus der Ähnlichkeit zweier Dinge in einem Merkmal geschlossen, sie stimmten auch in einem anderen, entscheidenden Merkmal überein — obwohl gerade in diesem Punkt relevante Unterschiede bestehen.
Der Fehler: Analogien können erhellen, beweisen aber nichts, wenn die verglichenen Fälle sich gerade im fraglichen Punkt unterscheiden. Massgeblich ist, ob die Ähnlichkeit relevant für die gezogene Schlussfolgerung ist.
Der Fehlschluss hat die folgende Form:
- A und B ähneln sich im Merkmal M1.
- A hat ausserdem das Merkmal M2.
- Also hat auch B das Merkmal M2.
…obwohl sich A und B gerade hinsichtlich M2 wesentlich unterscheiden.
EN: false analogy / weak analogy
Verwandtschaft
- Hastige Verallgemeinerung — verwandt: unzulässiger Übertrag auf einen anderen Fall.
- Missbrauch eines Prinzips — verwandt, wenn eine Regel auf einen nicht vergleichbaren Fall übertragen wird.
Beispiele
Beispiel 1
„Ein Staat ist wie eine Familie: Der Vater entscheidet, die Kinder gehorchen. Also sollten auch die Bürger der Regierung einfach gehorchen.“
Staat und Familie ähneln sich in manchem, unterscheiden sich aber gerade in den entscheidenden Punkten (Mündigkeit der Bürger, Rechtsstaat). Die Analogie trägt den Schluss nicht.
Beispiel 2
„Der Körper braucht bei Krankheit manchmal einen Schnitt — also braucht die Gesellschaft bei Problemen harte Einschnitte.“
Die Übertragung der medizinischen Bildsprache auf die Gesellschaft setzt Vergleichbarkeit voraus, die nicht gegeben ist.