Falsche Dichotomie
Ein Bereich wird in nur zwei sich ausschliessende Klassen geteilt, obwohl es Zwischenstufen gibt.
Nur Schwarz oder Weiss, kein Grau.
Definition
Die falsche Dichotomie (Schwarz-Weiss-Denken) teilt einen Bereich von Möglichkeiten in zwei sich ausschliessende und angeblich vollständige Klassen auf, obwohl die Wirklichkeit ein Kontinuum oder mehrere Abstufungen kennt.
Sie ist die begriffliche Grundlage des falschen Dilemmas: Während das Dilemma die Zweiteilung im Argument nutzt, um eine Wahl zu erzwingen, bezeichnet die Dichotomie die unzulässige Zweiteilung selbst.
Der Fehler: Die Welt ist selten zweiwertig. Wer nur „alles oder nichts“ kennt, übersieht die Grautöne dazwischen.
Der Fehlschluss hat die folgende Form:
- Alles ist entweder A oder das Gegenteil von A.
- Zwischenstufen und weitere Kategorien werden ausgeblendet.
EN: false dichotomy / black-and-white thinking
Verwandtschaft
- Falsches Dilemma — die argumentative Anwendung der Zweiteilung.
- Haufen-Paradox — das Gegenstück: dort wird die Unschärfe der Grenze überdehnt.
- Unterscheidung ohne Unterschied — verwandtes Spiel mit Kategorien.
Beispiele
Beispiel 1
„Wer nicht für die Reform ist, ist gegen den Fortschritt.“
Zwischen „voll dafür“ und „gegen den Fortschritt“ liegen viele Haltungen. Die Einteilung in nur zwei Lager ist falsch.
Beispiel 2
„Entweder man ist gesund oder krank.“
Gesundheit ist ein Kontinuum mit vielen Zwischenzuständen. Die strikte Zweiteilung verfehlt die Wirklichkeit.