Mehrdeutigkeitsfehler (Amphibolie)
Ein Satz lässt durch seinen Bau mehrere Lesarten zu; die unpassende wird ausgenutzt.
Nicht das Wort, der Satzbau ist doppeldeutig.
Definition
Beim Mehrdeutigkeitsfehler — bei Mehrdeutigkeit durch Satzbau spricht man von Amphibolie — ist nicht ein einzelnes Wort doppeldeutig, sondern die grammatische Struktur eines Satzes lässt mehrere Lesarten zu. Aus der mehrdeutigen Formulierung wird die unbeabsichtigte (oder bequeme) Bedeutung herausgelesen.
Der Fehler: Die Aussage stützt einen Schluss nur unter einer Lesart; das Argument nutzt jedoch eine andere. Während die Äquivokation auf der Wortebene spielt, spielt die Amphibolie auf der Satzebene.
Der Fehlschluss hat die folgende Form:
- Der Satz S erlaubt die Lesarten L1 und L2.
- Gemeint war L1.
- Das Argument verwendet jedoch L2.
EN: amphiboly / syntactic ambiguity
Verwandtschaft
- Äquivokation — das Gegenstück auf der Wortebene (ein Wort, zwei Bedeutungen).
- Suggestive Anspielung — verwandt, wenn die Doppeldeutigkeit gezielt zum Nahelegen genutzt wird.
Beispiele
Beispiel 1
„Er hat seinen Vater gehasst, als er trank.“
Wer trank — der Vater oder der Sohn? Der Satzbau lässt beides zu. Auf die jeweils passende Lesart kann ein ganzes (Fehl-)Argument gebaut werden.
Beispiel 2
„Gesucht: Freiwillige, die Folteropfern helfen.“ (engl. Volunteers needed to help torture survivors.)
Die Struktur erlaubt zu lesen, man solle „Überlebende foltern“ helfen. Gemeint ist das Gegenteil — die Mehrdeutigkeit entsteht aus dem Satzbau.