Zum Hauptinhalt springen

Teleologischer Irrtum

Kurz

Etwas wird so gedeutet, als hätte es einen Zweck oder eine Absicht, wo nur Funktion oder Zufall vorliegt.

„Wozu ist das gut?“ ist nicht immer die richtige Frage.

Definition

Beim teleologischen Irrtum wird einem Vorgang oder Ding ein Zweck oder eine Absicht unterstellt, obwohl es dafür keinen Anhaltspunkt gibt. Aus „etwas erfüllt eine Funktion“ wird fälschlich „etwas wurde zu diesem Zweck gemacht“ oder „die Dinge geschehen, damit …“.

Der Fehler: Funktionen und Wirkungen entstehen oft ohne planenden Zweck (z. B. durch Evolution oder Zufall). Eine nützliche Wirkung zu beobachten, beweist keine dahinterstehende Absicht.

Der Fehlschluss hat die folgende Form:

  1. X erfüllt die Funktion / hat die Wirkung F.
  2. Also existiert X zu dem Zweck, F zu erfüllen (jemand/etwas hat es so beabsichtigt).

EN: teleological fallacy

Verwandtschaft

  • Naturalistischer Fehlschluss — verwandt: aus einem Naturzweck wird ein Sollen abgeleitet.
  • Gott-der-Lücken-Argument — verwandt: eine planende Instanz wird zur Erklärung herangezogen.
  • Post hoc ergo propter hoc — verwandt: vorschnelle Deutung von Zusammenhängen.

Beispiele

Beispiel 1

„Die Nase sitzt offenbar dort, damit wir die Brille tragen können.“

Brillen gibt es erst seit Kurzem; die Nase entstand nicht zu ihrem Tragen. Eine Funktion wird mit einer Absicht verwechselt (so schon Voltaires Spott über Dr. Pangloss).

Beispiel 2

„Alles geschieht aus einem Grund — auch diese Katastrophe hatte ihren Sinn.“

Dass ein Ereignis Folgen hat, heisst nicht, dass es zu einem Zweck eintrat. Sinn wird hier hineingelesen, nicht festgestellt.

Quellen