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23. Reference Dependence and Loss Aversion

 

Wireless Philosophy, Cognitive Biases, 5:58. Original title: CRITICAL THINKING - Cognitive Biases: Reference Dependence and Loss Aversion [HD]

Summary

Zusammenfassung

Laurie Santos (Yale University) explains why identical choices can look completely different depending on how they are described, using two biases known as reference dependence and loss aversion.

Laurie Santos (Yale University) erklärt, warum identische Wahlmöglichkeiten je nach Beschreibung völlig verschieden aussehen können, und stützt sich dabei auf zwei Verzerrungen: die Referenzabhängigkeit und die Verlustaversion.

A life-or-death choice, framed two ways

Eine Entscheidung über Leben und Tod, zweifach gerahmt

Imagine leading a medical team fighting a new flu strain that has already infected six hundred million people, all of whom will die if nothing is done. Two drugs are available:

Stellen Sie sich vor, Sie leiten ein medizinisches Team im Kampf gegen einen neuen Grippestamm, der bereits sechshundert Millionen Menschen infiziert hat, die alle sterben werden, wenn nichts geschieht. Zwei Medikamente stehen zur Verfügung:

  • Drug A saves two hundred million people for sure.
  • Drug B has a one-third chance of saving all six hundred million and a two-thirds chance of saving no one.
  • Medikament A rettet mit Sicherheit zweihundert Millionen Menschen.
  • Medikament B hat eine Chance von einem Drittel, alle sechshundert Millionen zu retten, und eine Chance von zwei Dritteln, niemanden zu retten.

Most people choose drug A. In Kahneman and Tversky's original study, seventy-two percent of college students preferred drug A to drug B.

Die meisten Menschen wählen Medikament A. In Kahnemans und Tverskys ursprünglicher Studie zogen zweiundsiebzig Prozent der Studierenden Medikament A dem Medikament B vor.

Now consider a second choice:

Betrachten Sie nun eine zweite Wahl:

  • Drug C lets four hundred million people die for sure.
  • Drug D has a one-third chance that no one dies and a two-thirds chance that all six hundred million die.
  • Medikament C lässt mit Sicherheit vierhundert Millionen Menschen sterben.
  • Medikament D hat eine Chance von einem Drittel, dass niemand stirbt, und eine Chance von zwei Dritteln, dass alle sechshundert Millionen sterben.

Here most people choose drug D: seventy-eight percent of the same students preferred drug D to drug C.

Hier wählen die meisten Menschen Medikament D: Achtundsiebzig Prozent derselben Studierenden zogen Medikament D dem Medikament C vor.

The same drugs, different labels

Dieselben Medikamente, andere Etiketten

Restated in terms of lives saved and lost, drugs A and C are identical (two hundred million saved, four hundred million dead for sure), and so are drugs B and D (a one-third chance of saving all six hundred million, a two-thirds chance of saving no one). Yet people who preferred A over B also tended to prefer D over C, even though the underlying options never changed, only the wording did.

Rechnet man in geretteten und verlorenen Leben um, sind die Medikamente A und C identisch (mit Sicherheit zweihundert Millionen gerettet, vierhundert Millionen tot), und dasselbe gilt für die Medikamente B und D (eine Chance von einem Drittel, alle sechshundert Millionen zu retten, eine Chance von zwei Dritteln, niemanden zu retten). Dennoch neigten Menschen, die A gegenüber B bevorzugten, auch dazu, D gegenüber C zu bevorzugen, obwohl sich an den zugrunde liegenden Optionen nie etwas änderte, sondern nur an der Formulierung.

Reference dependence

Referenzabhängigkeit

Reference dependence is the tendency to judge outcomes not in absolute terms but relative to some baseline or status quo. Finding a dollar on the ground does not register as a change to your entire net worth; you simply think, "I'm a dollar richer." In the first framing (lives saved), the baseline is zero saved, so both drugs look like gains. In the second framing (lives lost), the baseline is zero lost, so both drugs look like losses.

Referenzabhängigkeit ist die Neigung, Ergebnisse nicht absolut zu beurteilen, sondern relativ zu einer Ausgangslage oder einem Status quo. Einen Dollar auf dem Boden zu finden verbucht man nicht als Veränderung des gesamten Vermögens; man denkt einfach: „Ich bin einen Dollar reicher." In der ersten Rahmung (gerettete Leben) liegt die Ausgangslage bei null Geretteten, also sehen beide Medikamente wie Gewinne aus. In der zweiten Rahmung (verlorene Leben) liegt die Ausgangslage bei null Verlorenen, also sehen beide Medikamente wie Verluste aus.

Loss aversion

Verlustaversion

Loss aversion is our reluctance to accept losses, whether of money, lives or even candy. It leads people to hold onto property that is losing value rather than sell at a loss, and to avoid risky stocks that would do well overall because of a small chance of losing money. Framing drugs C and D in terms of lives lost activates this aversion, pushing people toward drug D, the option with a chance of losing no one. Drugs A and B, framed only in terms of lives saved, do not trigger the same aversion, so people default to the safer-looking option, drug A.

Verlustaversion ist unsere Abneigung, Verluste hinzunehmen, ob an Geld, an Leben oder auch nur an Süßigkeiten. Sie bringt Menschen dazu, an Eigentum festzuhalten, das an Wert verliert, statt mit Verlust zu verkaufen, und riskante Aktien zu meiden, die sich insgesamt gut entwickeln würden, wegen einer geringen Chance, Geld zu verlieren. Die Medikamente C und D in verlorenen Leben zu rahmen aktiviert diese Aversion und drängt die Menschen zu Medikament D, der Option mit einer Chance, niemanden zu verlieren. Die Medikamente A und B, nur in geretteten Leben gerahmt, lösen dieselbe Aversion nicht aus, und so greifen die Menschen zur sicherer wirkenden Option, Medikament A.

Key takeaway

Die zentrale Erkenntnis

Santos concludes that even in a life-or-death decision, our choices are shaped less by the actual outcomes than by how those outcomes are worded: reference dependence sets the baseline we measure against, and loss aversion makes us disproportionately avoid whatever that baseline frames as a loss.

Santos schließt, dass selbst bei einer Entscheidung über Leben und Tod unsere Wahl weniger von den tatsächlichen Ergebnissen geprägt wird als davon, wie diese Ergebnisse formuliert sind: Die Referenzabhängigkeit setzt die Ausgangslage, an der wir messen, und die Verlustaversion lässt uns unverhältnismäßig stark alles meiden, was diese Ausgangslage als Verlust rahmt.